Grenzen setzen leicht gemacht

Über das ewige Ja-Sagen, die Angst vor dem Nein und die Kunst, sich selbst nicht zu verlieren.

Es fängt meistens harmlos an. Eine Freundin sagt ein Treffen ab, kann ja passieren. Beim nächsten Mal will sie lieber in ein anderes Restaurant, natürlich, warum nicht. Dann verschiebt sie noch mal, weil ihr etwas dazwischengekommen ist, alles gut, man ist ja verständnisvoll. Und irgendwann merkt man, dass man seit Monaten derjenige ist, der seine Pläne umwirft, seine Wünsche zurückstellt und „Ach, das macht mir wirklich nichts aus“ sagt. Bis eines Tages irgendeine Kleinigkeit passiert und man explodiert. Die Wut steht in keinem Verhältnis zu dem, was gerade geschehen ist. „Immer geht es nur um dich!“ Die Freundin steht fassungslos da. Dabei hatte man ihr doch immer gesagt, dass alles in Ordnung ist.

Und vielleicht war es das ja auch, zumindest am Anfang. Vielleicht hat man gar nicht bemerkt, wie aus freiwilliger Rücksicht eine Gewohnheit wurde, die sich irgendwann nicht mehr gut anfühlte. Wie sich kleine Enttäuschungen ansammelten und man den Ärger jedes Mal sofort wieder wegschob, weil man nicht kleinlich sein wollte, nicht schwierig, nicht die Person, mit der alles kompliziert ist. Und dann ist man wütend auf jemanden, der sich angeblich immer alles herausnimmt, und der möglicherweise nie mitbekommen hat, dass da längst eine Grenze überschritten wurde. Woher auch? Man hatte ihr ja immer wieder versichert, dass es keine gibt.

Ich glaube, wir reden viel zu selten darüber, wie schwer es sein kann, die eigenen Grenzen überhaupt zu erkennen. Überall liest man, wie wichtig es ist, Nein zu sagen, sich abzugrenzen, für sich einzustehen. Klingt super. Fast, als müsste man nur ein paar entschlossene Sätze auswendig lernen. Aber was, wenn man gar nicht weiß, wo die eigene Grenze verläuft? Wenn man sich so lange angepasst hat, dass man die eigenen Bedürfnisse kaum noch spürt und zwischen dem, was man fühlt, und dem, was man sich selbst erzählt, eine ziemlich große Lücke klafft?

Manche wissen sehr genau, was sie nicht wollen, und trauen sich nur nicht, es zu sagen. Andere merken ihre Grenzen erst, wenn sie längst überschritten sind, als Gereiztheit, als Erschöpfung, als dieses diffuse Gefühl, ständig zu kurz zu kommen. Und irgendwann als Wut, die sich dann gern gegen den Menschen richtet, der angeblich alles falsch gemacht hat.

Ganz so einfach ist es allerdings nicht. Natürlich trägt jeder Verantwortung dafür, wie er andere behandelt, und wer ständig nur nimmt, kann sich nicht damit herausreden, dass keiner ausdrücklich Nein gesagt hat. Aber andere können unsere Grenzen eben auch nicht zuverlässig respektieren, solange wir sie selbst weder kennen noch aussprechen. Grenzen schützen nicht nur uns, sie geben auch den anderen Orientierung.

Und dann gibt es noch eine Variante, die ich besonders spannend finde: Menschen, die sehr wohl Grenzen setzen können, sogar ziemlich entschlossen. Nur sind es vielleicht gar nicht ihre eigenen.

Die geliehenen Grenzen

Wir kennen wahrscheinlich alle jemanden, der in einer Beziehung unglaublich anpassungsfähig ist. Der Interessen, Gewohnheiten und manchmal sogar Überzeugungen des Partners übernimmt, dessen Entscheidungen verteidigt, dessen Sichtweise erklärt und mit erstaunlicher Härte für Dinge einsteht, die ihm vorher vermutlich nicht so wichtig waren.

Von außen sieht das nach Loyalität aus, und das kann es auch sein. In einer Partnerschaft verändert man sich durch den anderen, entwickelt gemeinsame Vorstellungen, nimmt Rücksicht, daran ist nichts verkehrt. Ich frage mich nur, wo der Übergang liegt zwischen einem gemeinsamen Standpunkt und einer Überzeugung, die man bloß übernommen hat. Was passiert, wenn jemand seine eigenen Bedürfnisse kaum wahrnimmt, dafür aber die Erwartungen eines geliebten Menschen umso entschlossener vertritt? Wenn er plötzlich ein sehr klares Nein formuliert, ohne sich je gefragt zu haben, ob es wirklich seines ist?

Das Merkwürdige: Ein solcher Mensch fühlt sich womöglich zum ersten Mal richtig selbstbestimmt. Endlich setzt er Grenzen, endlich lässt er sich nichts mehr gefallen, endlich ist er konsequent! Dabei hat er vielleicht nur die Richtung seiner Anpassung gewechselt. Man kann dem einen gegenüber hart bleiben und sich dem anderen gegenüber komplett verbiegen.

Ich finde das ziemlich unbequem. Wir stellen uns Menschen, die es allen recht machen wollen, meistens als freundlich und konfliktscheu vor, als die, die Ja sagen und Nein meinen. Aber was, wenn zwei Menschen ganz unterschiedliche Erwartungen an sie haben und sie nicht mehr beiden gefallen können? Dann müssen sie sich entscheiden, und meistens für den, dessen Ablehnung sie mehr fürchten. Plötzlich tritt der verständnisvolle Kompromissmensch gegenüber anderen erstaunlich hart auf. Nicht, weil er seine Grenzen gefunden hätte, sondern weil er die eines anderen zu seinen eigenen erklärt.

Wenn Harmonie auf Kosten anderer geht

Und dann wird es heikel. Wenn ich den Frieden mit dem einen nur halten kann, indem ich den anderen verletze, wird aus dem Wunsch, niemanden zu enttäuschen, ein ziemlich verletzendes Verhalten. Vielleicht ist jemand, der Konflikte um jeden Preis vermeidet, gar nicht so friedfertig, wie er denkt. Vielleicht verschiebt er den Konflikt nur, weg von dem Menschen, dessen Ablehnung er fürchtet, hin zu jemandem, bei dem er sich sicherer fühlt.

Das passiert in Freundschaften, wenn man der dominantesten Person alles recht macht und dafür die anderen Freunde vernachlässigt. In Familien, wenn einer nie widerspricht und die Konsequenzen alle anderen tragen. In Partnerschaften, wenn die Wünsche des geliebten Menschen plötzlich schwerer wiegen als die Bedürfnisse derer, mit denen man ebenfalls verbunden ist. Der Konflikt ist nicht weg, er hat nur den Schauplatz gewechselt. Fehlende Grenzen schaden eben nicht zwangsläufig nur uns selbst, manchmal treffen sie ausgerechnet die, die wir schützen wollten.

Beim Nachdenken darüber passiert mir allerdings etwas, das ich so nicht eingeplant hatte.

Ich erkenne mich selbst zu Teilen wieder.

Die Sache mit dem eigenen Spiegelbild

Es wäre ausgesprochen bequem, diesen Text über andere zu schreiben. Über die, die ihre Grenzen nicht kennen, sich ständig anpassen, aus Angst entscheiden und hinterher behaupten, es sei genau so gewollt gewesen. Leider geht das nicht. Je länger ich nachdenke, desto öfter sehe ich, wie oft ich das auch getan habe.

Auch ich habe Grenzen verschoben, weil ich an Beziehungen festhalten wollte, weil ich hoffte, dass sich etwas ändert, weil ich jemanden nicht verlieren wollte. Ich habe Dinge akzeptiert, die mir nicht guttaten, und mir immer wieder erklärt, warum ich noch ein bisschen Geduld haben sollte, noch ein bisschen Verständnis, noch einen Versuch. Und ich habe dabei nicht nur mich selbst verletzt. Das ist die Erkenntnis, die mir am schwersten fällt: Meine Entscheidungen mussten auch Menschen mittragen, die ich liebe. Ich war so beschäftigt mit meinen eigenen Gefühlen, Hoffnungen und Konflikten, dass ich oft nicht genug gesehen habe, was das für andere bedeutete.

Damals habe ich das nicht so verstanden, und das möchte ich ausdrücklich sagen, nicht um mich aus der Verantwortung zu nehmen, sondern weil ich glaube, dass genau darin ein Teil des Problems liegt. Ich hätte für alles gute Erklärungen gehabt. Von Liebe hätte ich gesprochen, von schwierigen Situationen, von Kompromissen und davon, dass man für wichtige Beziehungen kämpfen muss. Wahrscheinlich hätte ich mich sogar für besonders reflektiert gehalten. Heute sehe ich manches anders, aber ich wäre ziemlich vermessen, wenn ich mich deshalb moralisch über andere stellen würde. Ich erkenne Verhaltensweisen, die ich selbst lange gezeigt habe, und ich weiß, wie schwer es ist, etwas zu sehen, das man vielleicht gar nicht sehen will.

Das Muster kenne ich übrigens nicht nur aus Liebesbeziehungen. Ich habe einmal fünf Jahre in einem beruflichen Umfeld verbracht, in dem ich Ausgrenzung und Mobbing erlebt habe. Fünf Jahre, in denen ich versucht habe, mich zu behaupten, mich zu erklären, Anerkennung zu bekommen und irgendwie doch noch meinen Platz zu finden. Ich habe gekämpft und gehofft und ausgehalten, immer in der Vorstellung, dass die anderen irgendwann merken müssten, wie ungerecht das alles war.

Haben sie nicht.

Stattdessen ging es mir immer schlechter. Ich wurde krank, verlor meine Lebensfreude und brachte die Belastung mit nach Hause, wo die Menschen, die mir am nächsten standen, sie ebenfalls zu spüren bekamen. Und ich blieb trotzdem, nicht weil ich mich dort wohlfühlte, sondern weil ich offenbar nicht aufgeben konnte, was ich mir von diesem Ort so sehr erhofft hatte: Anerkennung, Respekt, vielleicht einfach das Gefühl dazuzugehören. Rückblickend frage ich mich, warum ich so lange darauf gewartet habe, dass andere mir etwas geben, das sie mir offensichtlich nicht geben wollten.

Auch das wäre allerdings zu einfach gedacht. Einen Arbeitsplatz kann man nicht immer einfach verlassen, es gibt finanzielle Verpflichtungen, Abhängigkeiten, manchmal schlicht keine Alternative. Und die Verantwortung für schlechte Behandlung liegt selbstverständlich bei denen, die schlecht behandeln. Trotzdem hätte ich meine eigene Belastung ernster nehmen müssen. Ich hätte früher nach Wegen suchen sollen, mich zu schützen, statt zu hoffen, dass sich die Lage von selbst dreht.

Manchmal bleiben wir nicht, weil etwas noch gut ist, sondern weil wir nicht aushalten, dass es vielleicht nie gut wird. Das gilt, glaube ich, für erstaunlich viele Lebensbereiche: für Freundschaften, in denen wir seit Jahren auf Gegenseitigkeit warten, für Eltern, um deren Anerkennung wir uns auch als Erwachsene noch bemühen, für Freundeskreise, zu denen wir unbedingt gehören wollen, obwohl wir uns dort ständig fehl am Platz fühlen, und für Beziehungen, in denen wir hoffen, dass aus dem, was wir uns wünschen, endlich Wirklichkeit wird. Irgendwann kämpfen wir vielleicht gar nicht mehr für die Beziehung oder die Situation selbst, sondern nur noch gegen die Enttäuschung, dass sie nicht geworden ist, was wir uns erhofft hatten.

Nicht jede Grenze ist eine gute Grenze

Man könnte aus alldem einen ziemlich schlichten Schluss ziehen: früher Nein sagen, härter werden, sich nichts mehr gefallen lassen, anstrengende Menschen aus dem Leben streichen. Das wäre mir entschieden zu einfach, denn nicht jede Grenze ist automatisch eine gesunde.

Manche entstehen aus Angst, aus Enttäuschung, aus alten Verletzungen, die wir nicht noch mal erleben wollen. Dann erklären wir etwas zur unverhandelbaren Grenze, obwohl wir eigentlich nur eine unangenehme Erfahrung um jeden Preis vermeiden wollen. Manchmal schützt uns so eine Grenze wirklich, manchmal verhindert sie aber auch Nähe, Vertrauen oder eine nötige Auseinandersetzung. Und manchmal versuchen wir unter dem schönen Wort Grenzsetzung sogar, das Verhalten anderer zu kontrollieren.

Es ist ein Unterschied, ob ich sage „So möchte ich nicht behandelt werden, und wenn das so weitergeht, ziehe ich mich zurück“, oder ob ich einem anderen vorschreibe, welche Gefühle, Beziehungen und Entscheidungen er haben darf. Meine Grenze beschreibt, was ich für mich akzeptieren kann und welche Konsequenzen ich daraus ziehe. Das Recht, über das Leben anderer zu bestimmen, gibt sie mir nicht.

Deshalb will ich meine Grenzen künftig nicht einfach nur möglichst entschieden vertreten, ich will sie erst mal verstehen. Ist das wirklich meine? Entspricht sie meinen Werten, schützt sie etwas, das mir wichtig ist, oder versuche ich bloß, eine alte Verletzung nicht noch einmal zu spüren? Und wenn mir jemand seine Sicht auf die Welt erklärt, will ich zuhören und sie ernst nehmen, aber nicht blind übernehmen, nur weil ich diesen Menschen liebe oder Angst habe, ihn sonst zu verlieren. Die Grenzen eines anderen zu respektieren heißt nicht, dass ich sie zu meinen machen muss.

Was ich daraus mitnehme

Ich habe zwei Dinge gelernt. Oder vorsichtiger gesagt: Ich habe mir zwei Dinge vorgenommen, denn zwischen etwas verstehen und es im entscheidenden Moment auch zu leben, liegt bekanntlich eine ziemliche Strecke.

Das erste betrifft mich. Ich will meine Bedürfnisse und meine psychische Gesundheit nicht mehr so weit zurückstellen, dass kaum noch etwas von mir übrig bleibt. Ich will nicht noch einmal jahrelang um Anerkennung kämpfen, wo mir dauerhaft mit Geringschätzung begegnet wird, mich nicht verbiegen, um irgendwo dazuzugehören, und nicht alles ertragen, damit ein Mensch in meinem Leben bleibt. Das heißt nicht, dass ich keine Kompromisse mehr eingehen will. Im Gegenteil, ohne sie geht es nicht, wenn Menschen zusammen leben, arbeiten oder befreundet sein wollen. Aber ein Kompromiss sollte nicht bedeuten, dass am Ende immer derselbe auf sich selbst verzichtet.

Das zweite betrifft meine Kinder. Ich habe verstanden, dass meine Entscheidungen nicht nur mich betreffen. Ich darf mein Leben gestalten, lieben, scheitern und neu anfangen, aber ich will dabei nicht aus den Augen verlieren, was das für die Menschen bedeutet, für die ich Verantwortung trage. Ich habe lange gebraucht, um zu verstehen, dass ich mich nicht zwischen meinem eigenen Glück und der Verantwortung für meine Kinder entscheiden muss. Aber ich muss aufhören, so zu tun, als hätten meine Entscheidungen keine Auswirkungen auf sie. Meine Kinder müssen nicht jede meiner Entscheidungen gut finden und auch nicht jeden mögen, der in meinem Leben auftaucht. Sie dürfen ihre eigenen Gefühle, Beziehungen und Grenzen haben. Aber sie sollen wissen, dass ihre Zugehörigkeit zu meinem Leben nicht zur Verhandlung steht. Ich will nicht noch einmal so damit beschäftigt sein, eine Beziehung, eine Hoffnung oder eine Vorstellung von meinem Leben festzuhalten, dass ich vergesse, was ich dabei aufs Spiel setze.

Das sind die Grenzen, die ich heute für mich ziehen möchte: Ich will mich nicht mehr selbst verlieren. Und ich will nicht, dass Menschen, für die ich Verantwortung trage, den Preis dafür zahlen, dass ich Angst habe, etwas anderes zu verlieren.

Ob mir das immer gelingt? Vermutlich nicht. Ich werde Fehler machen, mich wieder zu lange ärgern, zu viel erklären, zu spät Nein sagen und mir Situationen schöner reden, als sie sind. Ich kenne mich inzwischen ein bisschen.

Aber vielleicht geht es beim Grenzenziehen gar nicht darum, irgendwann unerschütterlich und unangreifbar durchs Leben zu marschieren. Vielleicht geht es darum, rechtzeitig zu merken, wenn etwas nicht mehr stimmt, sich selbst ernst zu nehmen, ohne die anderen aus dem Blick zu verlieren, und den Mut zu haben, eine unangenehme Wahrheit auszuhalten, bevor man jahrelang versucht, sie in eine angenehmere zu verwandeln.

Manchmal ist ein Nein nicht das Ende einer guten Beziehung, sondern das, was sie überhaupt erst möglich macht. Und manchmal ist es einfach der Moment, in dem man endlich aufhört, sich selbst zu verlassen.

Eure Nine

Setting Boundaries Made Easy

On Always Saying Yes, Being Afraid to Say No, and the Art of Not Losing Yourself.

It usually starts innocently enough. A friend cancels a get-together. These things happen. Next time, she’d rather go to a different restaurant. Of course, why not? Then she postpones again because something has come up. No problem. You’re an understanding person, after all. And at some point, you realise that for months you’ve been the one rearranging your plans, putting your own wishes aside, and saying, “Oh, I really don’t mind.”
Until one day, something completely insignificant happens and you explode. Your anger is wildly out of proportion to what has just happened. “It’s always about you!” Your friend looks at you in complete disbelief. After all, you’d always told her everything was fine.
And perhaps it was, at least in the beginning. Perhaps you didn’t even notice how a willingness to be considerate gradually turned into a habit that no longer felt good. How little disappointments piled up, and how you pushed your irritation aside each time because you didn’t want to be petty, difficult, or the person who makes everything complicated. And then you find yourself furious with someone who supposedly always gets her own way, even though she may never have realised she’d crossed a boundary long ago. How could she? You’d repeatedly assured her there wasn’t one.
I think we talk far too little about how difficult it can be to recognise our own boundaries in the first place. Everywhere you look, you’re told how important it is to say no, set boundaries, and stand up for yourself. Sounds great. Almost as if all you need to do is memorise a few assertive sentences. But what if you don’t even know where your boundaries are? What if you’ve spent so long adapting to other people that you can barely feel your own needs anymore, and there’s a rather large gap between what you feel and what you tell yourself?
Some people know exactly what they don’t want but don’t dare say it. Others only notice their boundaries once they’ve been crossed, in the form of irritability, exhaustion, or that vague feeling of constantly getting the short end of the stick. And eventually, anger. Anger that tends to be directed at the person who has supposedly done everything wrong.
Of course, it’s not quite that simple. Everyone is responsible for how they treat other people, and someone who constantly takes without giving can’t simply claim that nobody explicitly said no. But other people can’t reliably respect our boundaries if we neither recognise nor communicate them ourselves. Boundaries don’t just protect us; they also give other people a sense of where they stand.
And then there’s another variation that I find particularly fascinating: people who are perfectly capable of setting boundaries, sometimes very firmly indeed. Except that those boundaries might not actually be their own.

Borrowed Boundaries

We probably all know someone who becomes incredibly adaptable in a relationship. Someone who adopts their partner’s interests, habits, and sometimes even beliefs, defends their decisions, explains their point of view, and stands up with surprising determination for things they probably couldn’t have cared less about before.
From the outside, that looks like loyalty, and it may well be. In a relationship, we change through the other person, develop shared ideas, and make allowances for each other. There’s nothing wrong with that. I just wonder where the line lies between a genuinely shared point of view and a belief we’ve simply adopted. What happens when someone barely notices their own needs but defends the expectations of a loved one all the more fiercely? When they suddenly say a very definite no without ever asking themselves whether it’s really their own.
The strange thing is that such a person might feel truly independent for the first time in their life. Finally, they’re setting boundaries! Finally, they’re not letting people walk all over them! Finally, they’re standing their ground!
Except that perhaps they’ve merely changed the direction of their people-pleasing. You can be uncompromising with one person while bending over backwards for another.
I find that rather uncomfortable. We tend to imagine people-pleasers as friendly, conflict-avoidant types, the ones who say yes when they mean no. But what happens when two people have completely different expectations of them, and they can no longer please both? They have to choose. And sometimes they choose not according to what they themselves believe is right, but according to whose rejection they fear most.
Suddenly, the understanding, accommodating person becomes surprisingly harsh towards someone else. Not necessarily because they’ve discovered their own boundaries, but perhaps because they’ve adopted someone else’s as their own.

When Keeping the Peace Comes at Someone Else’s Expense

And that’s where things get complicated. If I can only keep the peace with one person by hurting another, my desire not to disappoint anyone can turn into behaviour that is deeply hurtful.
Perhaps someone who avoids conflict at all costs isn’t quite as peace-loving as they think. Perhaps they’re simply moving the conflict elsewhere, away from the person whose rejection they fear and towards someone with whom they feel safer.
It happens in friendships when we do everything to please the most dominant person in the group and neglect our other friends in the process. It happens in families when someone never speaks up and everyone else has to live with the consequences. And it happens in romantic relationships when the wishes of the person we love suddenly outweigh the needs of other people to whom we’re also connected.
The conflict hasn’t disappeared. It’s simply moved somewhere else.
A lack of boundaries doesn’t necessarily hurt only us. Sometimes it hurts precisely the people we wanted to protect.
And as I think about all this, something happens that I hadn’t quite planned for.

I recognise myself.

Looking in the Mirror

It would be wonderfully convenient to write this article about other people. About those who don’t know their boundaries, constantly adapt, make decisions out of fear, and afterwards insist that everything was exactly what they wanted.
Unfortunately, that doesn’t work. The longer I think about it, the more often I realise just how many times I’ve done exactly the same thing.
I’ve moved my own boundaries because I wanted to hold on to relationships, because I hoped things would change, because I was afraid of losing someone. I’ve accepted things that weren’t good for me and repeatedly explained to myself why I should be just a little more patient, a little more understanding, give it just one more try.
And I didn’t only hurt myself.
That’s the realisation I find hardest to face: people I love also had to live with the consequences of my decisions. I was so caught up in my own feelings, hopes, and conflicts that I often failed to see clearly enough what all of it meant for others.
I didn’t understand it that way at the time, and I want to say that explicitly. Not to excuse myself or escape responsibility, but because I believe that’s part of the problem.
I would have had perfectly good explanations for everything. I would have talked about love, difficult circumstances, compromises, and the importance of fighting for relationships that matter. I probably would even have considered myself particularly thoughtful and self-aware.
Today, I see some things differently. But it would be rather presumptuous of me to believe that this makes me morally superior to anyone else. I now recognise behaviours that I displayed myself for a long time, and I know how difficult it can be to see something you may not really want to see.
And I don’t just recognise this pattern from romantic relationships.
I once spent five years in a working environment where I experienced exclusion and bullying. Five years of trying to stand up for myself, explain myself, earn recognition, and somehow find my place. I fought, hoped, and endured, always believing that sooner or later the others would surely realise how unfair it all was.

They didn’t.

Instead, I became increasingly unhappy. I got ill, lost my joy in life, and carried the strain home with me, where the people closest to me felt its effects too.
And still I stayed. Not because I was happy there, but because apparently I couldn’t let go of what I had so desperately hoped to find in that place: recognition, respect, perhaps simply a sense of belonging.
Looking back, I sometimes wonder why I waited so long for other people to give me something they clearly had no intention of giving.
Of course, that would be too simple a way of looking at it. You can’t always just leave a job. There are financial obligations, dependencies, and sometimes simply no good alternatives. And responsibility for mistreatment lies with those who mistreat others.
Nevertheless, I should have taken my own suffering more seriously. I should have looked for ways to protect myself much earlier instead of hoping the situation would somehow turn around on its own.
Sometimes we don’t stay because something is still good. We stay because we can’t bear the thought that it might never become good.
I think that applies to a surprising number of areas in life: friendships in which we’ve been waiting for mutual effort for years, parents whose approval we’re still seeking as adults, groups of friends we desperately want to belong to even though we constantly feel out of place, and relationships in which we keep hoping that what we long for will finally become reality.
At some point, perhaps we’re no longer fighting for the relationship or the situation itself. Perhaps we’re simply fighting against the disappointment that it hasn’t become what we hoped it would be.

Not Every Boundary Is a Healthy One

You could draw a rather straightforward conclusion from all this: say no sooner, toughen up, stop putting up with things, and cut difficult people out of your life.
But that would be far too simple for me, because not every boundary is automatically a healthy one.
Some boundaries grow out of fear, disappointment, or old wounds we never want to experience again. We declare something non-negotiable when, in reality, we’re desperately trying to avoid another painful experience. Sometimes such a boundary genuinely protects us. Sometimes, though, it prevents closeness, trust, or a conversation that really needs to happen.
And sometimes, under the attractive label of setting boundaries, we’re actually trying to control someone else’s behaviour.
There’s a difference between saying, “I don’t want to be treated this way, and if it continues, I’ll step away,” and telling another person what they’re allowed to feel, whom they’re allowed to have relationships with, or what decisions they’re allowed to make.
My boundary defines what I can accept for myself and what consequences I’ll draw from it. It doesn’t give me the right to dictate how someone else lives.
That’s why I don’t simply want to defend my boundaries as firmly as possible in the future. First, I want to understand them.
Is this really my boundary? Does it reflect my values? Does it protect something that’s important to me? Or am I simply trying to avoid feeling an old hurt all over again?
And when someone shares their view of the world with me, I want to listen and take it seriously. But I don’t want to adopt it blindly just because I love that person or because I’m afraid of losing them.
Respecting another person’s boundaries doesn’t mean I have to make them my own.

What I’m Taking Away from All This

I’ve learned two things. Or, to put it more cautiously, I’ve made two promises to myself. Because there’s quite a distance between understanding something and actually living by it when it matters.
The first concerns me.
I no longer want to put my needs and mental well-being so far aside that there’s hardly anything left of me. I don’t want to spend years fighting for recognition where I’m consistently treated with disrespect. I don’t want to twist myself into someone I’m not just to belong somewhere, or put up with everything simply to keep someone in my life.
That doesn’t mean I no longer want to compromise. Quite the opposite. Compromise is essential when people live together, work together, or want to remain friends. But a compromise shouldn’t mean that the same person always ends up sacrificing themselves.
The second concerns my children.
I’ve come to understand that my decisions don’t affect only me. I’m allowed to shape my own life, fall in love, fail, and start again. But I don’t want to lose sight of what that means for the people I’m responsible for.
It took me a long time to understand that I don’t have to choose between my own happiness and my responsibility towards my children. But I do have to stop pretending that my decisions have no impact on them.
My children don’t have to approve of every decision I make. They don’t have to like everyone who enters my life. They’re allowed their own feelings, their own relationships, and their own boundaries.
But they should always know that their place in my life is not up for negotiation.
I never want to become so preoccupied with holding on to a relationship, a hope, or an idea of what my life should look like that I forget what’s at stake.
These are the boundaries I want to set for myself today: I don’t want to lose myself again. And I don’t want people I’m responsible for to pay the price for my fear of losing something else.
Will I always manage that? Probably not. I’ll make mistakes. I’ll spend too long getting upset about things, explain too much, say no too late, and convince myself that situations are better than they really are.
I know myself a little by now.
But perhaps setting boundaries isn’t about eventually becoming completely unshakeable and untouchable. Perhaps it’s about noticing in time when something no longer feels right, taking ourselves seriously without losing sight of others, and having the courage to face an uncomfortable truth before spending years trying to turn it into a more comfortable one.
Sometimes saying no isn’t the end of a good relationship. Sometimes it’s what makes a good relationship possible in the first place.
And sometimes it’s simply the moment when you finally stop abandoning yourself.

Yours Nine

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