Was Nähe für mich bedeutet

Vor kurzem haben mich drei Freundinnen besucht.

Drei Frauen, die mit Korea eigentlich nichts zu tun haben. Es war nie ihr Traum, hierher zu reisen. Ohne mich wären sie wahrscheinlich nie auf die Idee gekommen, nach Seoul zu fliegen.

Und trotzdem haben sie es getan.

Drei Frauen, Mütter von Teenagern, Ehefrauen, mit Häusern, Hunden und einem Leben, das eigentlich schon komplett ausgefüllt ist. Und gerade wir Frauen sind ja oft die Ersten, die sagen: „So viel Geld nur für mich? Das kann ich doch nicht machen.“

Aber sie haben es gemacht. Sie haben Geld ausgegeben, Zeit organisiert, ihre Familien zurückgelassen. Sie haben sich durch Dinge gekämpft, die ihnen Angst gemacht haben. Ein so langer Flug. Eine fremde Sprache. Eine riesige Stadt. U-Bahn-Pläne, die man nicht versteht. Ein Handy einrichten mit eSIM. Essen mit Stäbchen. Alles war neu. Alles war eine Heraus-forderung. Und sie sind trotzdem gekommen.

Zu mir.

Ich habe einen Freund in Leipzig. Einer der liebsten Menschen, den ich kenne. Sein großer Traum war eine Japanreise. Lange geplant, mehrmals verschoben, irgendwann endlich angetreten. Und dann hat er diese Reise unterbrochen. Vier ganze Tage. Weil Korea nah ist und weil ich hier bin. Er hat einen Teil seines Lebenstraums pausiert, um mich zu sehen.

Und das ist für mich Nähe.

Nicht die Häufigkeit von Nachrichten.
Nicht die Frage, wer sich wann meldet.
Nicht dieses leise schlechte Gewissen, das man oft mit sich herumträgt.
Sondern das hier.

Menschen, die sich auf den Weg machen. Die Hürden überwinden. Die nicht erwarten, sondern einfach kommen. Ich habe Freunde, die mir regelmäßig schreiben. Die mir nie einen Vorwurf machen, wenn ich mich nicht melde. Die einfach da sind. Und ich habe Freunde, die gerade nicht kommen können, weil ihre Kinder noch klein sind oder andere Gründe sie abhalten. Aber ich weiß, wenn sie könnten, würden sie im nächsten Flieger sitzen.

Und sie warten auf mich. Darauf, dass ich irgendwann zurückkomme. Und sie besuche. Und das ist vielleicht das Schönste daran.

Zu wissen, dass Nähe nicht verschwindet, nur weil man sich nicht sieht.
Dass sie nicht lauter wird, wenn man mehr schreibt. Und nicht weniger, wenn man still ist. Sondern dass sie bleibt.

Und manchmal zeigt sie sich genau dann, wenn jemand den weiten Weg auf sich nimmt.

Einfach, um bei dir zu sein.

Danke, dass es euch gibt und ihr in meinem Leben bleibt.

Eure Nine

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