Wie man so wohnt

여러분, 안녕하세요?
Dass ich wirklich hier in Seoul bleiben werde und nicht mit Benny wieder zurück nach Deutschland fliege, wird mir jetzt mit meiner eigenen Wohnung immer klarer.
Nach 10 Tagen Zwischenstopp im Gästehaus Hide & Seek bin ich nun endlich in mein eigenes Reich im Herzen von Itaewon gezogen.
Im Nachgang muss ich sagen, war die Wohnungssuche für mich die leichteste aller zu bewältigender Hürden. Es hätte aber auch anders kommen können.

Grundsätzlich muss man sich als neuer Lehrer hier in Seoul selbstständig um eine Wohnung kümmern. Die Schule empfiehlt einige Makler und gibt ein monatliches Budget vor, an welches man sich zu halten hat. Selbst draufzahlen ist nicht möglich und man bekommt auch nichts ausgezahlt, wenn man unter dem Betrag bleibt. Diese Makler schreibt man nun im Vorfeld an und sagt, was man sich so vorstellt. Man kann dann bereits anhand von Fotos eine Vorauswahl treffen und wenn man in Seoul angekommen ist, einen Besichtigungsmarathon hinlegen.

Hier in Seoul gibt es verschiedene Möglichkeiten zu wohnen. Die komfortabelste ist sicherlich das Apartment in einem der vielen Hochhauskomplexe. Diese sind überwiegend modern, mit integrierter Klimaanlage und Luftfilter in jedem Zimmer, häufig mit Waschmaschine und Wäschetrockner ausgestattet und meist gibt es unten noch einen Portier. Die Miete bzw. Kaution ist aber recht hoch und bei unserem Budget dann die Wohnung eher klein, jedoch ausreichend.

Eine weitere Möglichkeit ist eine Wohnung in einer „Villa“. Das sind eher niedrigere Häuser mit drei bis vier Etagen. Die gibt es von neu gebaut bis naja. Hier gibt es meistens auch günstige Keller- und Dachterrassenwohnungen. Der Sanierungsgrad entspricht aber bei den meisten hier eher so den deutschen 60er/70er-Jahre-Bauten und man muss so einige Dinge eher etwas sportlich nehmen. Eine Klimaanlage ist dann meist nicht in jedem Zimmer eingebaut, es kann auch zugig sein oder mal reinregnen. Bei einigen Wohnungen schimmelt es etwas oder man bekommt mal Besuch von kleinen, krabbelnden Tierchen. Alles kann, nichts muss. Dafür bekommt man für sein Geld meist viel Wohnraum und häufig eine Dachterrasse.


Es gibt auch noch sogenannte Officetel (오피스텔). Hier können die Bewohner im selben Gebäude wohnen und arbeiten und damit die Pendelzeit vermeiden. Meist wird dies von Anwälten, Steuerberatern oder Künstlern usw. bewohnt. Es handelt sich dann meistens auch nur um Einraumwohnungen mit Bad, Küche und Schlafbereich und ist ziemlich kostenintensiv.

Die kleinste zu mietende Wohneinheit sind sogenannte „Onerooms“. Dabei handelt es sich um ca. 20m² große Einraumwohnungen. Der Unterschied zwischen einem Officetel und Oneroom ist wieder das Gebäude in dem sie sich befinden und der Preis. Officetels befinden sich eher in Hochhäusern und sind etwas teurer, Onerooms findet man eher in den niedrigen Häusern und sind etwas günstiger.

Die günstigste Variante ist sicherlich ein Gosiwon (고시원). Das sind möblierte Einzelzimmer(chen), die ursprünglich für Studenten konzipiert wurden. Hier teilt man sich Küche und Badezimmer mit anderen Wohneinheiten. Ist vielleicht mit unseren Studentenwohnheimen vergleichbar, nur dass man hier (so habe ich es zumindest verstanden) auch ohne Studentenstatus wohnen kann. Die Zimmer sind aber wirklich winzig und die Wände eher ein Sichtschutz.
Nun kommt bei der Wohnungssuche noch das sehr interessante Mietsystem ins Spiel. Eine Variante ist Jeonse (전세), die andere Wolse (월세). Bei Jeonse hinterlegt der Mieter zu Beginn der Mietzeit eine pauschale Kaution in Höhe von 50% – 80% des Marktwertes der Immobilie, welche er am Ende der Mietzeit (in der Regel zwei Jahre) zurückerhält. Dafür muss er keine monatliche Miete zahlen. Der Vermieter reinvestiert diesen Betrag meistens und hat dann die Zinsen als Gewinn. Die Kaution des Mieters wird durch ein Pfandrecht an der Immobilie gesichert. Das andere System Wolse ist mit unserem deutschen Mietsystem zu vergleichen. Es wird zu Beginn des Mietvertrags eine Kaution bezahlt und dann eine monatliche Nutzungsgebühr fällig. Dabei werden in der Regel zehn Prozent der Kaution als Vertragsgebühr und der Rest dann beim Einzug gezahlt.

Na wie auch immer. Irgendwie passt der Markt aber nicht so richtig zu den Bedingungen der Schule und das Angebot ist nicht so riesig. Ich habe jedenfalls eine Wohnung und einige Möbel und Gegenstände von einer Lehrerin übernommen, die ihre Dienstzeit in Seoul diesen Sommer beendet hat und wohne in einer Villa mitten im Partyviertel. Wie ich es bereits beschrieben habe, darf man hier nicht so zimperlich sein. Ich hatte in den wenigen Wochen bereits einen kaputten Duschschlauch, eine auslaufende Toilette, jedes Wochenende vibriert die Wohnung vom Bass der Clubs, die uralte und einzige Klimaanlage kostet mich mit Energieklasse 5 monatlich ein Vermögen und schafft es trotzdem nicht, das Schlafzimmer auf unter 28°C runter zu kühlen und vor ein paar Tagen hatte ich meine erste Kakerlake zu Besuch. Ich liebe die Wohnung trotzdem und komme gerne nach Hause. Jedoch nun immer mit einem prüfenden Blick auf irgendwelche ungebetenen Besucher.

Eure Nine

P.S. Ich bin echt kein Profi auf dem Gebiet. Sollte ich also irgendetwas falsch dargestellt haben, schreibt es in die Kommentare. 😉

How one lives like this.

여러분, 안녕하세요?
That I will really stay here in Seoul and not fly back to Germany with Benny is becoming clearer to me now, especially with my own apartment.
After a 10-day layover at the Hide & Seek guesthouse, I have finally moved into my own realm in the heart of Itaewon.
Looking back, I must say that apartment hunting was the easiest hurdle for me to overcome. However, things could have turned out differently as well.

As a new teacher here in Seoul, you generally have to find an apartment on your own. The school recommends some real estate agents and provides a monthly budget that you must adhere to. It’s not possible to pay extra, and you also don’t receive any money back if you stay under the budget. You contact these agents in advance and let them know what you’re looking for. Based on photos, you can make a preliminary selection and then go on an apartment viewing marathon once you’ve arrived in Seoul.

There are various housing options here in Seoul. The most comfortable is certainly an apartment in one of the many high-rise complexes. These are mostly modern, with integrated air conditioning and air filters in each room, often equipped with a washing machine and dryer, and there’s usually a concierge downstairs. However, the rent or deposit is quite high, and with our budget, the apartment is rather small but sufficient.

Another option is an apartment in a „villa.“ These are lower houses with three to four floors. They range from newly built to, well, not so new. Here, you often find affordable basement and rooftop apartments. However, the level of renovation mostly corresponds to German buildings from the 60s/70s, and you have to take some things with a sporty attitude. Air conditioning is usually not installed in every room; it can also be drafty or leak when it rains. Some apartments have a bit of mold, or you might get a visit from small, crawling creatures. Anything is possible, but not mandatory. In return, you usually get a lot of living space for your money and frequently a rooftop terrace.

There are also so-called Officetels (오피스텔). Here, residents can live and work in the same building, avoiding commuting time. This is mostly inhabited by lawyers, accountants, artists, etc. It usually consists of one-room apartments with a bathroom, kitchen, and sleeping area, and it’s quite costly.

The smallest rental units are called „Onerooms.“ These are around 20m² single-room apartments. The difference between an Officetel and an Oneroom is again the building they’re in and the price. Officetels are usually in high-rise buildings and are slightly more expensive, while Onerooms are typically in lower houses and are a bit cheaper.

The most affordable option is definitely a Gosiwon (고시원). These are furnished single rooms originally designed for students. Here, you share the kitchen and bathroom with other units. It might be comparable to our student dormitories, except that you can live here without being a student (that’s how I understood it, at least). The rooms are really tiny, and the walls are more like dividers.

Now, let’s talk about the very interesting rental system. One option is Jeonse (전세), and the other is Wolse (월세). With Jeonse, the tenant pays a lump sum deposit at the beginning of the lease, usually 50% to 80% of the property’s market value, which they receive back at the end of the lease period (usually two years). In return, they don’t have to pay monthly rent. The landlord typically reinvests this amount and gains interest. The tenant’s deposit is secured by a lien on the property. The other system, Wolse, is similar to the German rental system. At the beginning of the lease, a deposit is paid, and then a monthly usage fee is required. Normally, ten percent of the deposit is paid as a contract fee, and the rest is paid upon moving in.

Anyway, the market somehow doesn’t quite fit the school’s conditions, and the offerings are not that extensive. In any case, I now have an apartment and some furniture and items from a teacher who finished her service in Seoul this summer. I live in a villa right in the party district. As I’ve described before; you can’t be too delicate here. In the few weeks I’ve been here, I’ve already had a broken shower hose, a leaking toilet, the apartment vibrates every weekend from the club’s bass, the ancient and only air conditioner costs me a fortune each month with an energy rating of 5 and still can’t cool the bedroom below 28°C, and a few days ago, I had my first cockroach visit. Nevertheless, I love the apartment and enjoy coming home. But now, I always have a scrutinizing look out for any uninvited guests.

Yours, Nine

P.S. I’m really not an expert in this field. So, if I’ve portrayed anything incorrectly, feel free to write it in the comments. 😉

6 Antworten zu „Wie man so wohnt”.

  1. Das war sehr interessant zu lesen. Wir hoffen, du gewöhnst dich schnell ein und hast nicht allzu viele kleine tierische Mitbewohner, 😜 LG Ines und Uwe😘

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    1. Ich hatte Angst, dass es ein wenig langweilig ist. Schön wenn es euch gefällt. 🙂

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  2. immer wieder schön zu lesen und langsam kenn ich mich so gut aus … fühlt sich an als wäre ich ein richtiger local
    — Frage zum Wohnen und Miete relativ zum Einkommen. In Deutschland sagt man ja im Schnitt 1/3 des Einkommens für die Miete –> Liest sich als wäre es im vergleich deutlich teurer?

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    1. Es ist so, dass das Einkommen der meisten Koreaner nicht so hoch ist. Ich persönlich finde die Mieten hier im Vergleich zu deutschen Großstädten nicht so hoch. Das genaue Verhälnis kann ich dir leider nicht sagen. Wie ich es aber raushöre, liegt es über dem 1/3. Ich mache mich mal schlau.

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  3. Vielen Dank, dass Du uns teilhaben lässt. Spannend ist ja bei so dünnen Wänden, wie es sich auf die Kultur auswirkt bzw. sich die Kultur auf die Lautstärke auswirkt. In Japan vermeidet man ja in der Regel alles, was jemand anderen stören könnte. Wie ist das in Südkorea?

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    1. Vielen Dank für dein nettes Feedback. Ich würde sagen, dass sich hier die Kulturen ähneln. Auch in Korea versucht man niemanden zu stören. Das macht sich z.B. in öffentlichen Verkehrsmitteln bemerkbar. Hier ist es unerwünscht, laut zu reden oder zu telefonieren. Egal wie voll der Bus oder die U-Bah ist, es ist ungewöhnlich still. Ich mag das sehr.

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