Gründe und so…

여러분, 안녕하세요?

Heute möchte ich euch erzählen, warum ich mich für dieses Abenteuer entschieden habe. Es gibt viele Gründe, warum ich nach Seoul gehe. Einige davon sind offensichtlich und klingen besonders schön und intelligent. Gründe, die man gerne erzählt und damit Eindruck schindet.

Zunächst einmal möchte ich natürlich eine andere Kultur kennenlernen. Eine, die mein Weltbild auf den Kopf stellt und mich meine Überzeugungen, dass unsere gesellschaftlichen Konventionen die „einzig Wahren“ sind, überdenken lässt. Ich möchte meinen Horizont erweitern, eine neue Sprache lernen und in eine fremde Kultur eintauchen. Ich möchte meine Komfortzone verlassen und über mich hinauswachsen. Man denkt ja immer, das eigene Erleben mit all seinen Überzeugungen und Perspektiven sind der Nabel der Welt. Wenn man aber mal kurz darüber nachdenkt, gibt es so viele Nabel, wie es Menschen gibt. Ich möchte meine eigene Nabelschau beenden und meine Perspektive verändern.

All diese Gründe klingen super und lassen mich in einem glänzenden Licht dastehen. Sie sind verständlich und leicht verdaulich. Man kann sich gut hineindenken und bewundernd sagen: „Ich würde das auch gerne machen, habe aber nicht den Mut dazu.“ Ich glaube aber, dass diese Gründe nicht dazu geführt hätten, dass ich überhaupt auf den Gedanken gekommen wäre, hier alles hinzuschmeißen und für mindestens zwei Jahre alles hinter mir zu lassen. Es waren wohl eher die sehr dunklen und traurigen Seiten in meinem Leben, die mich zu dieser Idee geführt haben. Die Gründe, die primär dahinterstehen, sind eher Flucht und mein ständig suchender Geist.

Ich habe mir ein wunderbares Leben hier in Deutschland aufgebaut. Mit einem tollen Ehemann, zwei wunderbaren Töchtern, einer eigenen Wohnung und einem kleinen Garten. Meine Eltern und Geschwister wohnen gleich um die Ecke und als Beamte kann mir im Leben ja auch beruflich nichts mehr passieren. Doch je mehr ich mir Sicherheit erschaffen habe, um so unfreier habe ich mich gefühlt. Am Ende hatte ich das Gefühl, nicht mehr atmen zu können. Ich mir ein tolles Leben aufgebaut und habe alle gesellschaftlichen Erwartungen erfüllt, aber habe mich irgendwo zwischendurch selber verloren. Ich hatte ständig das Gefühl, irgendwie passt es nicht.

Und auch viele Menschen um mich herum merkten, dass ich nicht richtig passe. Wenn etwas nicht passt, wird es entweder abgelehnt oder so lange von außen bearbeitet, bis es passender wird. Natürlich gibt es auch Menschen, die gerade meine noch übrig gebliebene Nonkonformität besonders erfrischend finden und lieben. Aber was soll ich sagen, man hört ja immer nur auf die negativen Stimmen und zweifelt an sich selbst. Am Ende war ich an einem Punkt, wo ich alles nur noch hinschmeißen und und mich irgendwo verstecken wollte. Ich habe mich ziemlich verloren und unbedeutend gefühlt. Depression? Midlifecrisis?

Nennt es wie ihr wollt. Viel wichtiger ist, dass aus diesem Schmerz, aus dieser Leere heraus die Idee für die Auslandsschule in Seoul entstand. Erst ganz vorsichtig und klein. Eher so, dass man selber über diese absurde Idee lacht und sie mit einem Wisch wieder vom Tisch fegt. Aber diese Idee tauchte immer wieder auf und flatterte wie ein Vogel in meiner Brust. Je länger ich diese Idee betrachtete, umso interessanter erschien sie mir. Ich könnte aussteigen, ohne etwas kaputt zu machen. Ich kann etwas Neues beginnen, etwas nur für mich und tue dabei niemandem weh. Es fühlte sich so richtig an und alle, denen ich davon erzählte, waren so bei mir. Keiner in meiner Familie hielt mich für verrückt oder zweifelte an dieser Idee. Es schien eher so, als ob alle nur darauf gewartet hatten, dass ich einen neuen Weg finde und sie mich darauf begleiten dürfen. Also machte ich mich auf den Weg und schrieb meine Bewerbung für die Deutsche Schule Seoul International.

Viele von euch sagen, dass ich mutig bin, solch einen Schritt zu wagen. Aber Mut bedeutet, etwas zu überwinden, wovor man Angst hat. Und in meinem Leben hatte ich schon viel Angst. Die Angst, den gesellschaftlichen Erwartungen nicht gerecht zu werden, Angst vor Ablehnung, Angst vor Neidern und Mobbern, Angst vor Verlust und die Angst, nicht gut genug zu sein. Also habe ich bereits bewiesen, dass ich Mut habe, um bis hierher zu kommen, und darauf bin ich stolz.

Die Entscheidung, nach Korea zu gehen, bereitet mir keine Angst. Natürlich bin ich mir bewusst, dass ich auf Herausforderungen stoßen werde. Nicht alles wird von Anfang an einfach sein, denn meine größte Herausforderung nehme ich mit: mich selbst.

Zurückblickend auf all diese Gründe, die ich zu Beginn erwähnte, bin ich fest entschlossen, meinen Horizont zu erweitern, meine Perspektive zu verändern und meine eigene Nabelschau zu beenden.

Ich lade euch herzlich ein, mich auf meiner Reise zu begleiten. Gemeinsam können wir wachsen und neue Welten entdecken. In meinen kommenden Blogbeiträgen werde ich euch regelmäßig von meinen Erlebnissen und Herausforderungen berichten. Lasst uns gemeinsam über uns hinauswachsen!

Ich freue mich, euch in dieser aufregenden Phase meines Lebens dabei zu haben. Bis bald!

Eure Nine

Reasons and Such…

Today, I want to tell you why I decided to embark on this adventure. There are many reasons why I’m going to Seoul. Some of them are obvious and sound particularly beautiful and intelligent. They are reasons that one likes to share to make an impression.

First and foremost, I want to get to know a different culture. One that turns my worldview upside down and makes me reconsider my beliefs that our societal conventions are the „one true way.“ I want to broaden my horizons, learn a new language, and immerse myself in a foreign culture. I want to step out of my comfort zone and grow beyond myself. We always tend to think that our own experiences, along with our beliefs and perspectives, are the center of the universe. But if you stop and think for a moment, there are as many centers as there are people. I want to put an end to my self-centeredness and change my perspective.

All of these reasons sound great and make me appear in a shining light. They are understandable and easily digestible. One can imagine themselves in them and admirably say, „I would love to do that too, but I don’t have the courage.“ However, I believe that these reasons wouldn’t have led me to even consider giving up everything and leaving it all behind for at least two years. It was more likely the very dark and sad aspects of my life that led me to this idea. The primary reasons behind it are more about escape and my perpetually searching mind.

I have built a wonderful life here in Germany. With a great husband, two wonderful daughters, my own apartment, and a small garden. My parents and siblings live just around the corner, and as a civil servant, nothing can go wrong professionally. But the more security I created for myself, the more trapped I felt. In the end, I felt like I couldn’t breathe anymore. I had built a great life and fulfilled all societal expectations, but somewhere along the way, I lost myself. I constantly had the feeling that something didn’t fit.

And many people around me also noticed that I didn’t quite fit in. When something doesn’t fit, it’s either rejected or worked on from the outside until it becomes more suitable. Of course, there are also people who find my remaining nonconformity particularly refreshing and love it. But what can I say, we always tend to listen to the negative voices and doubt ourselves. In the end, I reached a point where I just wanted to throw everything away and hide somewhere. I felt quite lost and insignificant. Depression? Midlife crisis?

Call it whatever you want. What’s more important is that from this pain, from this emptiness, the idea for the international school in Seoul was born. It started very cautiously and small. More like something I would laugh at myself for, dismissing it with a wave of my hand. But this idea kept resurfacing and fluttered like a bird in my chest. The longer I contemplated this idea, the more intriguing it became to me. I could make a change without breaking anything. I could start something new, something just for myself, without hurting anyone. It felt so right, and everyone I talked to about it was with me. No one in my family thought I was crazy or doubted this idea. It seemed more like they had been waiting for me to find a new path, and they were eager to accompany me on it. So I set off and wrote my application for the Deutsche Schule Seoul International.

Many of you say that I am courageous to take such a step. But courage means overcoming something you’re afraid of. And in my life, I have experienced a lot of fear. The fear of not meeting societal expectations, fear of rejection, fear of envy and bullies, fear of loss, and the fear of not being good enough. So, I have already proven that I have the courage to come this far, and I am proud of that.

The decision to go to Korea doesn’t scare me. Of course, I am aware that I will face challenges. Not everything will be easy right from the start because my biggest challenge goes with me: myself.

Looking back at all these reasons I mentioned earlier, I am determined to broaden my horizons, change my perspective, and end my self-centeredness.

I warmly invite you to accompany me on my journey. Together, we can grow and discover new worlds. In my upcoming blog posts, I will regularly share my experiences and challenges with you. Let’s grow beyond ourselves together!

I’m excited to have you with me during this exciting phase of my life. See you soon!

Yours, Nine

6 Antworten zu „Gründe und so…”.

  1. So ehrliche Worte, liebe Nine! Viel Spaß in Korea und viele positive Eindrücke! Ich freu mich auf deine Blogbeiträge. 😘

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    1. Danke für deine lieben Worte. Das gibt mir Mut, weiter zu schreiben.

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  2. So schön geschrieben ^ ^

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    1. Danke liebe Emily. Wenn dir meine Texte gefallen, ehrt mich das sehr. 🙂

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  3. Wahnsinnig schön geschrieben ! 🙂 Ich freu mich auf mehr ! Wie lief deine Ankunft , was fühlst du/ wie geht es dir ? 🙂

    Ganz liebe Grüßle

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    1. Dankeschön, freue mich total über dein Feedback. Hatte ein wenig Respekt davor, hier so offen zu sein. Um so mehr bedeuten mir die positiven Reaktionen auf meine Beiträge. Über die Ankunft und meine erste Woche schreibe ich den nächsten Beitrag. Kannst also gespannt sein. Ich drücke dich aus der Ferne. Deine Nine
      p.s.: Hier gibt es gaaaaaanz viele Libellen.

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